Wie begegnen wir Menschen, deren Erinnerungen verblassen und deren Welt sich zunehmend von unserer unterscheidet? Die Wanderausstellung „Demensch – Alltagssituationen mit Demenz“ gibt darauf eine ebenso humorvolle wie nachdenkliche Antwort. In dieser Woche wurde sie in unserem Seniorenwohnsitz feierlich eröffnet und von einem Vortrag begleitet, der die Gäste nachhaltig bewegte.
Die Ausstellung wurde uns von der Alzheimergesellschaft Pinneberg zur Verfügung gestellt. Diese zeigt Zeichnungen des Cartoonisten Peter Gaymann mit Alltagssituationen rund um Demenz mit einem liebevollen Augenzwinkern.
Zur Eröffnung begrüßte die Leiterin des Seniorenwohnsitzes, Rita Sturm, die Gäste aus der Gemeinde, der Bürgerstiftung Rellingen, den Bürgermeister Marc Trampe sowie Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenwohnsitzes.
Auch DRK-Vorstand Ulf Kienast sprach ein Grußwort und freute sich, dass seit der Auftaktveranstaltung im Mai bereits zahlreiche Aktionen für ein demenzfreundliches Rellingen entstanden sind.
Bürgermeister Marc Trampe, Schirmherr der Initiative, bedankte sich für das Engagement von Rita Sturm und Waltraud Hörmann. Sie hätten es nicht bei einer guten Idee belassen, sondern dafür gesorgt, dass Demenz in Rellingen durch Aktionen sichtbar wird.
Beim gemeinsamen Rundgang erläuterte Dagmar Wüstenberg von der Alzheimergesellschaft Pinneberg dann die Zeichnungen und ihre Hintergründe. Danach versammelten sich die Gäste in der Cafeteria zu ihrem Vortrag.
Dagmar Wüstenberg holte das Publikum mit persönlichen Erfahrungen aus ihrem familiären Umfeld und ihrer langjährigen Arbeit mit Demenzerkrankten auf lebendige und nachfühlbare Weise ab. Anschaulich und mit großer Empathie zeigte sie, dass Humor und Demenz durchaus zusammenpassen: nicht als Auslachen, sondern als Ventil, um Anspannung abzubauen, schwierige Situationen leichter zu nehmen und auch einmal innerlich Abstand zu gewinnen.
Ihr wichtigster Gedanke: Wir müssen akzeptieren, dass die Welt eines Menschen mit Demenz eine andere ist. Wer ständig versucht, Betroffene zu korrigieren und in die „alte“ Wirklichkeit zurückzuholen, erzeugt häufig Widerstand und Frustration. Viel hilfreicher sei es, die Situation anzunehmen. Humor könne dabei wie ein wohlwollendes Schmiermittel wirken und gemeinsames Lachen eine Verbindung schaffen, wo Belehrungen nur Distanz erzeugen.
Wüstenberg machte auch deutlich, was Demenz für die Betroffenen bedeutet: Erinnerungen gehen verloren, vertraute Zusammenhänge lösen sich auf und damit Stück für Stück auch das Gefühl für die eigene Identität. Menschen mit Demenz können ihr Verhalten oft nicht bewusst steuern. Sie wollen niemanden absichtlich ärgern, sondern reagieren auf Impulse und Gefühle, die sie nicht immer passend einordnen können.
Umso wichtiger sind Geduld und eine verständliche Kommunikation.
Wer die veränderte Wahrnehmung versteht und akzeptiert, kann Menschen mit Demenz mit mehr Ruhe, Respekt und Gelassenheit begegnen. Und manchmal auch mit Humor.
Der Vortrag von Frau Wüstenberg war weit mehr als eine Wissensvermittlung. Mit ihrer lebendigen Erzählweise, den persönlichen Beispielen und ihrem feinen Gespür für die Fragen des Publikums schaffte sie es, ein komplexes und belastendes Thema greifbar und nachfühlbar zu machen. Die Gäste waren sichtlich berührt.
Ein herzlicher Dank an Dagmar Wüstenberg von der Alzheimergesellschaft Pinneberg für diesen tollen Vortrag und die vielen Denkanstöße!
Die Ausstellung „Demensch – Alltagssituationen mit Demenz“ ist noch bis zum 3. November im DRK Seniorenwohnsitz Rellingen zu besichtigen.





